Oha, viele Orte diesmal, aber das ist gar nicht so schlimm wie es aussieht. Einige bekommen nur 3 Saetze. Aber zunaechst ein kurzes Update aus der Gegenwart.
Ich bin noch immer in Ashburten, aber meine Zeit hier neigt sich dem Ende. Vor ein paar Tagen habe ich meinen Trip nach Fiji gebucht und fiebere jetzt dem 22.07 entgegen. Dazu wird es dann sicher auch nochmal einiges zu erzaehlen geben. :-/
Mit den Leuten im Hostel verstehe ich mich nach wie vor gut und es sieht so aus als haette ich jetzt einen Job gefunden, den ich auch den Rest der Zeit behalten kann. So ein bischen Sicherheit hat man doch auch gern. Nie zu wissen, ob man am naechten Tag Arbeit hat, geht wirklich auf die Nerven. Ansonsten passiert nicht viel. Wenn ich nicht arbeite schreibe ich in meinen Blog oder lade Vortraege runter, die ich dann waehrend der Arbeit hoeren kann. ;-)
Aber jetzt wollen wir erneut in die Vergangenheit schweifen.

Der Tongarino National Park unterscheidet sich grundlegend von allen anderen Parks in Neuseeland. Nach Coromandel war ich natuerlich auch verwoehnt von Regenwald und Strand. Den meisten ist der Tongarino National Park warscheinlich aus Herr der Ringe bekannt. Im Prinzip wurde ganz Mordor hier gedreht und der Schicksalsberg steht genau so mitten in der Landschaft. Fast erwartet man, dass jeden Moment ein kleiner Kerl mit einem Ring vorbei kommt. Die Landschaft ist karg und steinig und die ersten paar Kilometer der tagesfuellenden Tour gibt es nur einen Trampelpfad. Nur weil es sich um einen der „Great Walks“ handelt sollte man nicht meinen, es sei auch ein grossartiger Weg.^^ Lustigerweise hatten wir auf diesem Ausflug Begleitung von zwei anderen Deutschen, die wir am Tag zuvor auf einem Campingplatz kennen gelernt hatten. Abgesehen von der netten Gesellschsft und den interessanten Gespraechen hatte das den Vorteil, dass wir mit einem Van zum Startpunkt fahren und den anderen am Zielpunkt stehen lassen konnten. Ich hab keine Ahnung, wie wir das alleine gemacht haetten, denn den Weg hin und zurueck zu wandern haette bestimmt 20 Stunden gedauert.
Das erste Stueck des Wegs fuehrte ueber eine steinige Ebene, die scheinbar gar kein Ende nehmen wollte. Vor uns ragte die ganze Zeit ueber der Kegel des Mount Ngauruhoe auf. Es ist erstaunlich, aber es ist wirklich eins zu eins der Berg aus Mittelerde ohne irgendeine Nachbearbeitung (bis auf die Lava natuerlich) ;-)
Nach ein paar Stunden erreichten wir ihn und eigentlich fuehrte der Weg jetzt seitlich an ihm vorbei. Aber unsere Plaene sahen anders aus. Schon einige Zeit zuvor hatten mir Leute davon erzaehlt, wie sie den Berg bestiegen hatten und dass es zwar in Ermangelung eines Wegs sehr anstrengend aber auf jeden Fall lohnend ist. Was soll ich sagen, das traf hundert prozentig zu. Der Aufstieg nahm etwa zwei Stunden in Anspruch und war wirklich alles andere als einfach. Der Kegel ist mit so viel Geroell und Schotter bedeckt, dass man mehr abrutscht als aufsteigt. Nachdem wir das erste Stueck wirklich durchbeissen mussten, wurde es etwas felsiger, wodurch wir etwas schneller voran kamen. Besonders aufpassen mussten wir auf losgetretene Steinlawinen von andern Bekloppten, die verrueckt genug waren den Aufstieg zu wagen. Ueberhaupt waren erstaunlich viele Leute dort. Es ist halt wie ueberall sonst, alles was in einem Katalog steht, wird von Touristen ueberschwemmt. Einen wirklichen Gipfel gibt es eigentlich gar nicht. Ursploetzlich steht man an einer Kante. Da sollte man wirklich nicht gedankenverloren langspazieren, sonst liegt man im Krater. Der Krater ist natuerlich auch voll mit Geroell, aber man kann sich vorstellen, wie das ausgesehen hat, als er 1975 das letzte mal ausbrach. Aus den 2300 Kilometer Hoehe hatten wir eine fantastische Aussicht ueber ganz Tonagrino und vor allem die farbigen Seen direkt daneben.
Der Abstieg war vergleichsweise einfach. Wir haben uns eine gute Stelle gesucht, sind in ein Kiesbett gesprungen und den kompletten Berg in einem Rutsch runtergeschlittert. Richtig coole Aktion!
Der weitere Weg fuehrte erneut ueber eine weite Ebene gespickt mit einigen Auf- und Abstiegen. Besonders beeindruckend fand ich die farbigen Seen, zwischen denen der Weg entlang fuehrte. Der letzte Teil des Wegs ging stundenlang ueber Serpentinen richtung Tal und muendete letztlich in einem Wald den wir dann auch noch durchqueren mussten. Als wir endlich am Parkplatz ankamen, war es schon lange dunkel, wodurch das ganze noch zu einer Art Nachtwanderung wurde. Ich glaube ohne Kais Taschenlampe waeren wir ziemlich aufgeschmissen gewesen.

Nach diesem „Great Walk“ fuhren wir nach Taupo. Bei Taupo handelt es sich sowohl um eine Stadt als auch um einen See, den groessten in ganz Neuseeland. Besonders bekannt sind in dieser Region die Huka Falls, ein Wasserfall der nicht aufgrund seiner Hoehe, sondern aufgrund seiner Faerbung Beruehmtheit erlangte. Der Fluss nimmt unmittelbar von dem Waserfall so viel Sauerstoff auf, dass er ein kraeftiges Hellblau annimmt. Ich fuerchte die Farbe kommt auf den Fotos nicht besonders raus, aber es sieht fantastisch aus. Mehr haben wir in Taupo eigentlich gar nicht gemacht. In Napier sieht es nicht besser aus. Die Stadt hat nur deshalb Seltenheitswert, weil sie 1931 von einem Erdbeben komplett zerstoert und anschliessend im damals angesagten Art Deco Stil wieder aufgebaut wurde. Das Stadtzentrum sieht wirklich ganz interessant aus, auch wenn mir der Ruf der Stadt etwas uebertrieben erscheint.

Und zu guter Letzt Wellington oder eigentlich mehr die Umgebung. Oestlich von Wellington gibt es naemlich noch Straende, an denen man Paua Shells finden kann. Fuer all diejenigen, die keine Ahnung haben, was eine Paua Shell ist, erklaer ichs kurz. Anders als der Name vermuten laesst, sind Paua Shells Schnecken. Allerdings haben diese Schnecken eine Schale, die ihre Oberseite schuetzt, washalb man sie leicht fuer Muscheln halten koennte. Man findet sie an verschiedenen Straenden Neuseelands zwischen Felsen, an denen sie sich festsaugen. Leider sind diese Tiere so beliebt, dass es mittlerweile schwer ist, welche am Ufer zu finden. Was sie so begehrt macht, ist die einzigartige Faerbung auf der Innenseite des Panzers. Sie hat einen blaeulich, gruenen Glanz, den man ganz schwer beschreiben kann.
Um dennoch erfolgreich zu sein, fuhren wir zu einem sehr entlegenen Strand oestlich von Wellington. In der Gegend gab es echt nichts mehr. Und wir hatten Recht. Der ganze Strand war voll mit leeren Pauas. Insofern war das ein voller Erfolg. Was wir allerdings nicht fanden, waren lebende Viecher, weil wir sie ja auch gerne probiert haetten. Wir verbrachten den kompletten Tag damit die besten Schalen einzusammeln und fuhren mit fetter Beute weiter Richtung Wellington.
In Wellington selbst war eigentlich nichts geplant, da wir nicht viel Zeit hatten und die Stadt auch nicht gerade vor Sehenswuerdigkeiten ueberlaeuft. Aber es gibt nun mal nur eine Faehre zur Suedinsel, also mussten wir einen Tag dort verweilen. Wir hatten keine Lust mitten in der Stadt zu Mittag zu essen (und man weiss ja auch nicht ob sich nicht irgendein Polizist daran stoert, wenn man auf offener Strasse kocht), deshalb fuhren wir an die Kueste etwas ausserhalb vom Stadtzentrum. Und als wir nach dem Essen so nichts Boeses ahnend am Wasser lang gehen, liegen da ploetzlich wieder zwei Paua Shells. Na ja, zwei mehr koennen nicht schaden, haben wir gedacht und wollten sie einsammeln. Ging nicht! Die sassen bombenfest. Wir haben echt ein, zwei Sekunden gebraucht, um zu schnallen, dass wir da zwei lebende Exemplare vor uns hatten. Mit etwas Geduld und unter Einsatz des aeltesten Werkzeugs der Meschheit (nein, nicht der Faustkeil), gelang es uns doch noch sie zu loesen und wir fanden sogar noch einen Haufen weitere, von denen wir aber die meisten wieder ins Wasser geworfen haben.
Nach dem Fangen ging die Arbeit aber erst richtig los. Wir wollten sie nicht gleich essen, aber auf Haustiere hatten wir auch keine Lust. Also haben wir sie in Suesswasser umgebracht und anschliessend aus der Schale geholt und erst mal eingefroren. Ich hatte vorher im Internet gelesen, wie man sowas macht. Allerdings war es wesentlich aufwendiger als es sich anhoert. Ich glaube diese Viecher sind irgendwie mit Tintenfischen verwandt. Jedenfalls hatten wir nach dem Rauspuhlen schwarze Finger. Sind schon echt schraege Tiere. Ich hoffe man erkennt das auf den Fotos einigermassen. Ach so , was ich vielleicht noch erwaehen sollte, damit es da keine Missverstaendnisse gibt. Die Pauas sind zwar begehrt, sind aber nicht akut bedroht. Deshalb ist es Touristen erlaubt, eine begrenzte Zahl zu verspeisen. Wollts nur sagen, nicht dass jetzt jemand den Tierschutz ruft. :-)

Tja, ansonsten war Wellington wie gesagt nicht sonderlich spektakulaer. Am Abend ging es auf die Faehre und am naechsten Morgen setzte ich zum ersten mal einen Fuss auf die Suedinsel. Aufmerksamen Lesern ist sicher nicht entgangen, dass ich jetzt erst bei der Haelfte bin. Ich fuerchte, ich werde es in den verbliebenen zwei Wochen nicht mehr schaffen, den ganzen Rest zu dokumentieren. Zur Not schreibe ich die letzten Artikel in Deutschland.
Ich freu mich schon euch alle wieder zu sehen!

Gruss STefan