So, nach Wochen des Schweigens habe ich endlich mal wieder Zeit, Internet und ein Laptop um Freunde und Familie auf den neusten Stand der Dinge zu bringen. In meinem letzten Artikel ging es glaube ich um meinen Geburtstag, das ist ja nun doch schon eine Weile her. kurz nach meinen letzen Eintrag habe ich Tauranga verlassen und bin hoch nach Pauanui auf der sonnigen Halbinsel Coromandel. Das hat auch super geklappt, ich hatte glücklicherweise noch jemanden im Hostel getroffen, der in die selbe Richtung wollte und bereit war mich gegen ein kleines Endgeld mitzunehmen. Im Nachhinein wüsste ich auch nicht wie ich anders hätte her kommen sollen, denn hier fährt wirklich überhaupt nichts. Von öffentlichen Verkehrsmitteln haben die wirklich noch nie was gehört. Da lernt man die deutschen Anbindungen, wo jedes hinterletzte Kaff noch mit der Bahn erreichbar ist, wieder ganz neu zu schätzen. Na ja, ich bin jetzt jedenfalls in Pauanui direkt an der Küste von Neuseeland. Der Ort ist recht lang gezogen und beinahe komplett von Meer umgeben. Von dem malerischen Strand habe ich einen fantastischen Blick auf den Pazifik. Und Dank der wenigen Einwohner hat man den einen Kilometer langen Strand auch komplett für sich. Glaubt ihr nicht? Ging mir genauso. Ist in Europa ja auch unvorstellbar. Kaum liegt da mal ein Stück Sand in der Sonne, ist alles voll mit Handtüchern. Hier gibt es aber tatsächlich noch einsame Strände, an denen man sich nach der Arbeit toll entspannen kann. Gut, im Moment ist es zugegeben etwas voller, weil seit Weihnachten zu den 800 Einwohnern noch 20.000 Touristen dazugekommen sind, aber selbst jetzt ist die Menschendichte kein Vergleich zu dem, was wir aus der Heimat gewohnt sind. Diese „Überfüllung“ wird in 3 Wochen auch schon wieder vorbei sein, wenn die Weihnachtsferien enden eben.

Bis dahin werde ich allerdings noch einiges zu tun haben. Ich habe ja wie angekündigt einen Job in der einzigen Bäckerei im Ort angetreten, die jetzt die Ehre hat 20.000 Menschen mit Brot und Brötchen zu versorgen. Dass da viel Arbeit anfällt, kann man sich vorstellen. Ich arbeite seit Weihnachten ohne Unterbrechung 9 Stunden am Tag von 10 Uhr abends bis 7 Uhr morgens. Nachtschicht ist zwar anstrengend, aber wenn ich sehe welchen Ansturm an Kunden, die tagsüber zu bewältigen haben, bin ich froh Backassistent zu sein. Auserdem bekommen wir immer Reste, die sonst weg geschmissen würden. Das senkt die Lebenshaltungskosten beträchtlich. Für die Unterkunft bezahle ich auch nur halb so viel wie in Tauranga. Habe ich die schon erwähnt? Ich wohne in einer umgebauten Garage! Ist aber sehr gemütlich, Küche und Bad gibts auch und einen Fernseher ohne Empfang. ;-)
Ach ja und ich habe eine Mitbewohnerin. Über die gibts aber echt nich viel zu sagen. Sie arbeitet auch in der Bäckerei… Das wars eigentlich.Als wir uns kennen gelernt haben, war nach 5 Minuten klar, dass sie unheimlich langweilig ist und auch absolut kein Interesse daran hat mit anderen Menschen zu kommunizieren. Na ja, wir reden das Nötigste miteinander und gehen uns sonst aus dem Weg. Ist natürlich etwas schade, dass von allen Menschen, die ich in Neuseeland getroffen habe, ausgerechnet sie mit mir einen Monat zusammen wohnt, aber gut was willst du machen. Trotzdem war der Job ein Volltreffer. Die Arbeit macht Spass und ich lerne viel übers Backen. Da werde ich sicher das eine oder andere Rezept mit nach Deutschland nehmen. Außerdem gibt es in der Umgebung massenhaft Berge mit Wanderwegen. Im Moment habe ich keine Zeit, aber wenn ich fertig bin, werde ich mir glaube ich erstmal ausgiebig Coromandel anschauen.

Weihnachten habe ich wie gehofft im Kreise der Familie meiner Chefin gefeiert. Die hat eine kleine Tochter und noch eine Deutsche als Au Pair (Wir sind echt überall). Alle Mitarbeiter waren eingeladen und so ist es ein sehr schöner Abend geworden. BBQ, was hier sehr typisch ist, gab es zwar keins, weil der Wind zu stark war, aber wir hatten ein tolles Büfett. Am nächsten Morgen waren wir nochmal zum Frühstück eingeladen und haben sogar eine Kleinigkeit geschenkt bekommen. Wirklich klasse Leute. Den 25. habe ich dann mit ein paar anderen komplett am Strand verbracht. Obwohl es im Prinzip die letzten Wochen durch regnet, war über Weihnachten strahlender Sonnenschein. Wir haben viele lustige Fotos gemacht, aber diesen Tag werde ich glaube ich ohnehin nicht vergessen. Weihnachten unter Palmen, auch mal ne Erfahrung. Trotzdem würde ich das nicht jedes Jahr haben wollen. Alle Deutschen waren einstimmig der Meinung, dass man hier absolut nicht in Weihnachtsstimmung kommt. Wie auch bei 35 Grad? Aber ich habe gehört, ihr hattet auch keinen Schnee, also habe ich nix verpasst. Wie bereits erwähnt fing dann praktisch am nächsten Tag die Touristensaison an und seitdem ist nicht mehr viel passiert. Ich arbeite und schlafe viel und versuche möglichst oft Laufen zu gehen oder zu schwimmen. Auch meine ersten Surfversuche habe ich schon hinter mir. Echt ein lustiger Sport.

So, ich glaube jetzt seid ihr erstmal wieder auf dem neusten Stand. Ich versuche möglichst bald die entsprechenden Fotos hochzuladen, aber hier schnelles Internet zu bekommen ist nach wie vor ein Problem. E-Mails und Facebook kann ich aber empfangen. Also lasst mal was hören.

Euer STefan